Vogalonga


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abteilungsversammlung; Fahrtenprogramm; Helmut wirft in die Runde: „Wir könnten doch diese Jahr mal bei dem Vogalonga mitpaddeln. Stephan, du warst da doch schon mal“.                                                                              Ja, in der Tat, ich bin dieses traditionsreiche Rennen bereits zwei mal mitgepaddelt. Lang, verdammt lang ist es her. Aber anscheinend nicht so lange, dass mir an meiner inneren geistigen Leinwand nicht Bilder und Erinnerungen  aufsteigen können. Bilder von Venedig, von wunderschön geschmück- ten Gondeln, von stolzen Gondolieren, von Kanälen, die vom Applaus widerhallen, gleißendes Sonnenlicht auf dem Markusplatz, Salzgeruch, aber auch von Gegenwind, von Wellen und von Anstrengung und Strapazen.

 

 

„Hey Stephan, das wär doch was, oder?“ Ich werde jäh aus meinen Gedanken gerissen und komme wieder in der Realität an; ja das wäre was. Vogalonga 2010 wird ins Programm aufgenommen. Aus Erfahrung wusste ich aber, dass die Distanz von 32 km nicht so einfach aus dem Stand zu schaffen ist. Wenn die Wetterverhältnisse ungünstig sind und es starken Wind und Wellen hat, kann es verdammt unangenehm und anstrengend werden. Bei meinem letzten Rennen mussten wir uns kurz vor der Einfahrt in den Canale Grande mit Gegenwind und unangenehmen Kabbelwellen rumschlagen.  Ein Vierer-Ruderer knapp neben uns  tauchte mit dem Bug in eine Welle, aber nicht wieder auf. Das Boot war binnen einem kurzen Augenblick komplett versenkt. Die Besatzung konnte nur noch auf ein Rettungsboot hoffen. Das Boot blieb versenkt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aus meinen vergangenen Trips wusste ich, frühes Aufstehen ist von Vorteil, es gibt noch keine Probleme mit Parken und mit einbooten. Denn eines ist klar, auf der Vogalonga ist man als Paddler nur geduldet. Es ist ein Rennen oder besser gesagt ein Fest von Gondolieren und für Gondoliere. Alles andere ist schmückendes Beiwerk. Dann kommen die Ruderer, die auf Grund Ihre längeren und ausladenderen Boote von Haus aus meinen, Ihnen gehört das Wasser alleine. Wir waren aber zeitig an einer der zahlreichen Einsatzstellen, konnten schnell einen Parkplatz finden und uns einigermaßen komfortabel aufs Wasser bringen. Links von uns wurden große und schwere Ruderboote von einem Sattelschlepper mit einem Bootskran in Wasser gehievt. Tatsache, da sind Rudervereine mit Mann und Boot und einem Tieflader angereist. Da kommen wir uns dann doch etwas popelig vor.

 

 

 

Ich setzte kurzfristig für alle diejenigen, die mitwollten, eine Trainingseinheit pro Woche fest. Nicht dass diese überlebensnotwendig gewesen wäre, aber ich dachte mir, es macht mehr Spaß, wenn man die Sache etwas vorbereitet angeht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Fahrt zum Markusplatz, wo um 9:00 Uhr mit klassischer Musik und einem Kanonenschuss der Lauf beginnt ist ein Genuss. Wir haben traumhaftes Wetter, Sonne und kein Wind. Wir nehmen nicht die Hauptroute durch den Canale Grande, wir haben auf der Karte eine Abkürzung über Schleichkanäle entdeckt und tauchen ein in die Wunderwelt der Kanäle durch Häuserschluchten, unter kleinen Brücken und verwinkelten Abzweigen und Kreuzungen. Das eine oder andere Boot schlägt die gleiche Richtung ein, somit wissen wir, der Weg muss wohl nicht so falsch sein. Auch ein Vierer-Ruderboot hat diesen Weg eingeschlagen, aber hier sind wir mit unseren schmäleren und wendigeren Booten auf jeden Fall im Vorteil.

 

 

 

Die Anreise verlief trotz Pfingstreiseverkehr problemlos. Das frühe Aufstehen bewährt sich doch immer wieder. Treffpunkt war ein Campingplatz am Festland kurz vor dem Damm. Einige waren bereits am Freitag angereist und hatten sich schon Vormittags in den normalen Touristenstrom in die Altstadt eingereiht. Wir als Nachzügler gesellten uns erst am Nachmittag zu den anderen zig Tausend Touris.  Abends waren dann alle Teilnehmer mit Anhang versammelt und eine große Tafel wurde zum Speisen aufgebaut. Nudeln natürlich, das machen die Profis ja schließlich auch so.

 

Ein weiterer großer Vorteil der Vogalonga ist auch noch, dass an diesem Tag normale Motorboote auf den Kanälen nicht erlaubt sind. Nur Boote, die zur Rettung oder Organisation gehören sind erlaubt, und die Taxiboote, aber auch diese müssen an diesem Tag Rücksicht auf die muskelbetriebenen Boote nehmen.    

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Pünktlich um 9:00 Uhr wird eine Kanone abgeschossen und eine Masse von über 1500 Booten und annähernd 6000 Teilnehmern  beginnt sich raus in die Lagune zu bewegen und dazu spielt klassische Musik. Ein bewegendes Erlebnis  mit viel Gänsehaut-Potential. Das Feld zieht sich schnell in die Länge und die breite Masse sortiert sich bald in ein langgezogenes Band von Booten. Das ist auch gut so, denn bei der Insel St. Hellen wird es das erste Mal eng, manchmal auch verdammt eng. Die größten Probleme mit der Enge haben die Ruderer. Sie müssen mit ihren Skulls gut aufpassen, dass sie nicht irgendwo hängen bleiben oder einfädeln. Wir kommen gut durch und können uns dann Richtung Mazzorbo aufmachen, dem Wendepunkt des Rundkurses. Hier ist auch ungefähr die Hälfte des Rennens geschafft. Grund genug auch für uns, eine kleine Ver- und Entsorgungspause einzulegen.

 

 

 

Wir sind zeitig am Markusplatz und das ist wunderbar, wir können vor dem Start noch einmal anlanden und die Scenerie  von einem etwas erhöhten Standpunkt aus beobachten. Von Einer-Kajak als kleinstes Boot bis zu Gondeln mit sicher 12 Metern und 20 Leuten an Bord ist alles geboten. Ruderboote von klein bis groß, Drachenboote, Outrigger , einfach alles was mit Muskelkraft betrieben werden kann. Aber am beeindruckendsten sind immer noch die wunderbar geschmückten Gondeln mit ihren rausgeputzten Gondolieren. Das Wetter könnte nicht besser sein, nur ein kleiner Windhauch, es steht uns ein traumhafter Tag bevor.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auf dem Rückweg geht es eine längere Strecke über die offene Lagune, das war die Strecke, die bei meinem letzten Lauf unheimlich ansträngend war, da wir ständig Gegenwind  hatten. Dieses Jahr bleibt das Wetter aber beständig und der Lauf geht gut voran. Der Streckenverlauf bzw. die Fahrrinne wird durch große senkrechte Pfosten im Wasser angezeigt, ansonsten immer dem Vordermann nach. Das Feld der Teilnehmer hat sich mittlerweile ganz schön in die Länge gezogen. Lustig ist aber, dass man immer wieder Boote trifft, die man im Laufe des Parcours schon mal überholt oder gesehen hat. Nach der Durchfahrt des Hauptkanals durch Murano geht es dann noch einmal über offenes Wasser, aber das Ende zeichnet sich ab in Form von dem Damm, der Venedig mit dem Festland verbindet. Kurz davor biegt der Kurs links in die Altstadt in den Cannaregio Canal ein. Spätestens hier hat das Mühsal ein Ende, der Rest ist nur noch Genuss. An den Ufern stehen tausende von Leuten und feuern die Teilnehmer  an, alte italienische Muttis sitzen an auf Balkonen oder Fenstern und machen mit Topfdeckeln oder Maccinas einen höllischen Lärm, laute Gesänge und Jubelrufe tragen einen praktisch auf Flügeln bis zum Ziel. Das Gefühl ist unbeschreiblich, wenn man es endlich geschafft hat. Und ich bin froh, aber auch stolz, dass alle aus unserer Gruppe die Strapazen gut weggesteckt haben und alle das Ziel erreicht haben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auf den gleichen verschlungenen Wegen treten wir den Rückweg zu unserer Ausbootstelle an. Müde, erschöpft, aber glücklich und zufrieden kommen wir am Nachmittag auf unseren Campingplatz zurück und beschließen die rundum gelungene Tour mit einem standesgemäßen Pizzagelage im Campingplatz-Restaurant, bevor am nächsten die Tag die Rückreise ansteht.    

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schaut rein bei www.vogalonga.it und ihr bekommt einen Hauch des Gefühls der Vogalonga.


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