Vogalonga 2013


Die Nacht war unruhig, ein starker Wind ging durch die Bäume und Regenschauer prasselten laut aufs Zelt. In meinen schlafwachenden Träumen stiegen die Wellen in der Lagune von Venedig zu monstermäßigen Brechern auf und ich musste in einer Endlosschleife gegen eine Windböe anpaddeln, gegen die ich nicht ankam.

Beim Aufwachen stellte sich das Wetter gar nicht so schlecht dar wie in meinen Träumen. Der Wind hatte etwas nachgelassen, der Himmel war zwar wolkenverhangen, aber es war trocken.

Aufstehen um sechs, Katzenwäsche, eine Kleinigkeit frühstücken, Boote laden und gegen sieben mit den Autos über den Damm rüber nach Venedig. Nach unserem chaotischen Einstieg von vor drei Jahren ging es dieses Jahr etwas gesitteter zu. Hinter den großen Parkhäusern war ein großer Parkplatz für Wohnmobile, von dort aus war ein guter Einstieg möglich.

Am Start waren vom Verein Dieter, Hermann, Schorsch und Uschi, Oli und Lasslo und ich. Als Gäste waren mit dabei Andrea, Hannah, Natali, Günther und Sebastian. Eine bunt gemischte Truppe mit Einerkajaks und zwei Zweierbooten.

Beim Einstieg begannen kurze Regenschauer und bereiteten uns darauf vor, was uns zwei Drittel der Strecke noch erwarten sollte. Auf dem Weg Richtung Start war die Stimmung wie in den Jahren zuvor: Aufregung. Aus sämtlichen Richtungen kamen die verschiedensten Boote zusammen um sich gemeinsam auf der Wasserfläche vor dem Makusplatz zu treffen. Bis dahin war aber noch die Einfahrt nach Venedig zu meistern, wo noch Vaporettos und Taxiboote Unruhe verbreiteten. Mir fiel auf, dass dieses Jahr deutlich mehr Ruderboote am Start waren und so ein 8-er Ruderboot schiebt man halt nicht einfach so um die Kurve wie unsereins sein Kajak.

Das gemeinsame Warten am Markusplatz auf den Startschuss war dieses Jahr nicht so angenehm, da Windböen immer wieder Regenschauer auf uns herabfallen ließen. Man konnte die Stimmung und die Pracht der ankommenden Boote gar nicht so recht genießen. Eine Erleichterung, als es pünktlich um 9 Uhr los ging, endlich Bewegung. Für mich wie jedes Jahr ein Gänsehaut-Gefühl, wenn sich eine unüberschaubare Menge von Booten in Bewegung setzt, die alle den gleichen Weg  und das gleiche Ziel vor sich haben und nicht die Zeit im Vordergrund steht, sondern das gemeinsame Erlebnis und das gemeinsame Ankommen.

Wie ich Hannah im Vorfeld schon versprochen hatte, kam man aus dem Schauen und aus dem Staunen nicht raus. Links, rechts, vor und hinter uns nur Boote, in verschiedensten Größen, Längen und Besetzungen, aber immer nur Muskelbetrieben. Ruderboote von Zweier bis zum Doppel-Achter, Gondeln in allen Formen und Variationen und die verschiedensten Formen an Kajaks. Die Leute in den Booten alle gut drauf, teilweise mit Gesängen sich selber und auch Gegner anfeuernd. Einfach ein riesengroßes Spektakel, dass die lange Paddelstrecke sehr kurzweilig erscheinen ließ.  Leider war das Wetter nicht ganz so gut drauf. Zum Glück hatte der Wind nachgelassen, aber Regenschauer, mal kürzer, mal länger trübten etwas die Stimmung und sobald man zum Paddeln aufhörte setzte ein Frösteln ein. So blieb unsere Rast am Scheitelpunkt der Route eher ein notwendiges Muss zum Ver- und Entsorgen der Körperfunktionen. Ich war froh, wieder einigermaßen dicht und trocken in meinem Boot zu sitzen zu können und mir durch Paddelbewegung Wärme verschaffen zu können.

Die Strecke nach dem Scheitelpunkt ist erfahrungsgemäß der anstrengendere Teil, da es, nach dem man aus dem Kanal durch Mazzorbo raus kommt über eine weite und frei Strecke geht. Das Teilnehmerfeld streckt sich hier in die Länge und für mich beginnt dann immer der meditative Teil, in dem man versucht, sich geistig vom Körper zu trennen, da die Muskeln beginnen zu schmerzen, sich erste Schmerzpunkte an den Händen bilden, die es zu vermeiden gilt und der Popo auch schon etwas platt gedrückt ist.